Glossar für starke Pat*innenschaften

Unsere Sprache prägt und beeinflusst unsere Wahrnehmung und unser Denken. Mit diesem Glossar schauen wir uns deswegen die Begriffe rund um Pat*innenschaften genauer an. Wir erläutern Begriffe, die uns helfen, strukturelle Diskriminierung zu erkennen und zu benennen. Gleichzeitig beschreiben wir auch Wörter und Ideen, die Diskriminierung entgegenwirken. Alle Beiträge veranschaulichen die Bedeutung der Begriffe für Pat*innenschaften. Ein wichtiger Hinweis: Dort, wo es für das Verständnis wichtig ist, beschreiben wir auch Beispiele für Diskriminierung.

 

Das Glossar richtet sich an alle Aktiven in Pat*innenschaften und Tandems: Mentees, Mentor*innen, Verantwortliche, Koordinator*innen, Projektteams und Interessierte. Die Beiträge bauen auf euren und unseren Erfahrungen in Pat*innenschaften und der Antidiskriminierungsarbeit auf. Sie sind eine Einladung zur Vertiefung und Weiterbildung über beigefügte Links und Literatur. Das Glossar ist ein lernendes und lebendiges Dokument. Es soll in Zusammenarbeit mit euch als Tandems, Mentees, Mentor*innen und Multiplikator*innen wachsen. Schreibt uns unter info@haltung-zeigen.org  wenn ihr Ideen und Wünsche für bestehende und neue Begriffe habt.

Gerne möchten wir zudem eine Auswahl von Online-Glossaren aus der Antidiskriminierungsarbeit empfehlen:

Der Begriff afrodeutsch wurde in Berlin 1984 gemeinsam mit der US-amerikanischen Schriftstellerin Audre Lorde entwickelt. Afrodeutsch folgt dem Vorbild „afroamerikanisch“ aus den USA. Der Begriff soll zeigen, dass Schwarze Menschen selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft und Geschichte sind.[1] Afrodeutsch ist eine politische Selbstzeichnung und stand am Anfang einer Schwarzen Widerstandsbewegung in Deutschland.[2]

 

[1] Vgl. https://www.idaev.de/recherchetools/glossar (07.03.2024)
[2] Vgl. Oguntoye, Optiz, Schultz (Hg.) (2006): Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Berlin: Orlanda Frauenverlag, S. 9-12, in: Arndt, Ofuatey-Alazard (Hg.) (2019): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, 3. Aufl., Münster: Unrast, S. 577.

Antisemitismus ist die strukturelle Diskriminierung von Jüdinnen*Juden und Menschen, die als jüdisch markiert werden. Sie geht mit Feindschaft und Hass einher.[1] In der Wissenschaft und Politik wird über unterschiedliche Definitionen von Antisemitismus diskutiert.[2] 

Wie Rassismus ordnet Antisemitismus Menschen nach tatsächlichen oder vermeintlichen biologischen, religiösen und kulturellen Merkmalen in Gruppen ein. Durch Othering werden Jüdinnen*Juden zu vermeintlich „anderen“ gemacht. Ihnen werden negative Eigenschaften zugeschrieben. Es wird zwischen einer „Wir“ und einer „Ihr“ Gruppe unterschieden. Spezielles Merkmal von Antisemitismus ist, dass Jüdinnen*Juden besondere Macht und Einflussnahme zugeschrieben wird. Damit ist ein Weltbild verbunden, das jüdische Menschen für gesellschaftliche Probleme verantwortlich macht.[3] Antisemitische Stereotype und Verschwörungstheorien übernehmen dabei eine entlastende, welterklärende und identitätsstiftende Funktion für die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft.[4] Antisemitismus zielt auf Ausgrenzung, Unterdrückung und in extremer Form auf die Vernichtung jüdischer Menschen.[5] Als solche Katastrophe gilt die systematische Massenvernichtung europäischer Jüdinnen*Juden im Nationalsozialismus.[6] 

Die Forschung und Bildungsarbeit unterscheidet unterschiedliche Formen von Antisemitismus wie zum Beispiel: christlicher Antijudaismus, moderner Antisemitismus, nationaler Antisemitismus, rassistischer Antisemitismus, antisemitische Verschwörungserzählungen, sekundärer Antisemitismus / Post-Shoah-Antisemitismus / Schuldabwehr-Antisemitismus, Philosemitismus, israelbezogener Antisemitismus.[7] 

 

Jüdische oder als jüdisch markierte Teilnehmende in Pat*innenschaften können unterschiedlich von Antisemitismus betroffen sein:  

  • durch versteckte antisemitische Andeutungen  
  • durch Beleidigungen, Belästigungen und körperliche Angriffe  
  • durch Ausgrenzung 
  • dadurch, als Jüdin*Jude für die Politik Israels verantwortlich gemacht zu werden  
  • keine Unterstützung von Schule, Universität, Arbeitsstelle bei Mobbingerfahrungen und Beleidigungen  

  

Insgesamt zielt Antisemitismus auf den Ausschluss Betroffener aus allen Lebensbereichen. Mehr Informationen, Materialien, Beratung und Anlaufstellen bei antisemitischer Diskriminierung findet ihr beim Kompetenznetzwerk Antisemitismus. Wie ihr Antisemitismus erkennen und auf ihn reagieren könnt, erfahrt ihr zum Beispiel in dieser Broschüre des Anne-Frank-Zentrums.

Einen Überblick gibt euch dieser Videoclip vom Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA).

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Rassismus und Antisemitismus erklärt außerdem Prof. Dr. Karim Fereidooni im Podcast von Bildungsbausteine e.V.

 

[1] Vgl. Czollek, Perko, Kaszner, Czollek (2019): Praxishandbuch Social Justice und Diversity. Theorien, Training, Methoden, Übungen. Weinheim, 2.Auflage: Beltz, S. 228.
[2] Vgl. Ullrich, Arnold, Danilina, Holz, Jensen, Seidel, Weyand (Hg.) (2024): Was ist Antisemitismus? Begriffe und Definitionen von Judenfeindschaft. Berlin: Wallstein, S. 9-11.
[3] Vgl. Bildungsstätte Anne Frank (Hg.): „Ein Wimmelbild von einem Konflikt. Zum Spannungsfeld von Antisemitismus- und Rassismuskritik“ unter: https://www.bs-anne-frank.de/mediathek/publikationen (18.03.2024)
[4] Anne Frank Zentrum (Hg.): Antisemitismus – Geschichte und Aktualität. Handreichung für pädagogische Fachkräfte und Multiplikator*innen: https://kompetenznetzwerk-antisemitismus.de/angebote/bildung/handreichung-antisemitismus-geschichte-und-aktualitaet/ (20.03.2024)
[5] Vgl. Goldenbogen, Holler: Eine kurze Einführung in ein komplexes Phänomen. Was ist Antisemitismus? In: Anders Denken. Die Onlineplattform für Antisemitismuskritik und Bildungsarbeit (KIgA e.V.): https://www.anders-denken.info/informieren/was-ist-antisemitismus-0 (18.03.2024)
[6] Vgl. Amadeu Antonio Stiftung (Hg.): https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/antisemitismus-einfach-erklaert/
[7] Vgl. Auszug der Fortbildung: „Antisemitismus, Rassismus und der (Blick auf den) Nahe(n) Osten – Konstruktiver Umgang mit Spannungsfeldern in Bildung und Zivilgesellschaft“ am 7./8.11.2023 in Berlin mit Iven Saadi und Susanna Harms im Projekt https://www.bildungsbausteine.org/projekte/zusammen-denken-zusammen-handeln

Antislawismus ist die strukturelle Diskriminierung von Menschen aus Ost- und Südosteuropa und Menschen, die als ost- oder südosteuropäisch markiert werden. Antislawismus ordnet Menschen nach tatsächlichen oder vermeintlichen biologischen, religiösen und kulturellen Merkmalen in Gruppen ein. Er bezieht sich unter anderem auf Sprache, Akzent, Name, Aussehen, kulturelle Praktiken oder Religion.[1] Durch Othering werden betroffene Personen zu vermeintlich „anderen“ gemacht. Ihnen werden negative Eigenschaften zugeschrieben. Es wird zwischen einer „Wir“ und einer „Ihr“ Gruppe unterschieden.  Antislawismus äußert sich durch Herabwürdigung, Ausgrenzung, Angriffe und die strukturelle Diskriminierung in allen Lebensbereichen.

Die Ideologie von Antislawismus gab es schon im Mittelalter. Damals wurden polnische, sorbische, litauische und böhmische Menschen versklavt. Seit dem 18. Jahrhundert betrachtete Preußen polnische und andere östliche Gebiete als koloniale Gebiete. Philosophische Schriften lieferten die zugehörigen „Rassen“-Theorien. Darin wurde eine „slawische Rasse” erfunden. Faktisch gibt es regional und kulturell keine “Slawen”. Die Nationalsozialisten begründeten die gewaltsame Kolonialisierung Osteuropas mit ihrer rassistischen.[2]

Seit Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine haben antislawistische Vorfälle und Übergriffe auf Menschen zugenommen. Dabei ist Antislawismus in der Gegenwart noch wenig erforscht.[3]

Ost- oder südosteuropäische, oder als solche markierte Teilnehmende in Pat*innenschaften können unterschiedlich von Antislawismus betroffen sein:

  • durch herabwürdigende Witze
  • Sexualisierung, insbesondere von Frauen*
  • Vorstellungen von Rückständigkeit und mangelnder Bildung
  • Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt, prekären Arbeitsverhältnissen

 

Mehr Informationen findet ihr zum Beispiel in der Broschüre des Informations- und Dokumentations-zentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA).

in diesem Video von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung und auf der Seite des Antidiskriminierungstrainers Sergej Prokopkins, wie zum Beispiel einem Videomitschnitts seines Vortrags über Antislawismus.

 

[1] Vgl. „Antislawischer Rassismus“ in: https://www.idaev.de/recherchetools/glossar (29.11.2023)
[2] Vgl. „Antislawischer Rassismus“ in: https://www.idaev.de/recherchetools/glossar (29.11.2023)
[3] Vgl. Büyükmavi: Rassismus gegen Weiße – gibt es das? In: IDA-NRW (Hg.): Rassismus gegen Weiße – gibt es das? Unkritisches Weißsein – Die Entwertung der Rassismuserfahrungen von Personen ost- und südosteuropäischer Herkunft: https://www.ida-nrw.de/fileadmin/user_upload/UEberblick_Nr._3__Dezember_2022.pdf (21.03.2024), S. 9

Asiatisch-Deutsch ist eine politische Selbstbezeichnung von Menschen asiatischer Herkunft oder Herkunftsgeschichte und Menschen, die sich in unterschiedlicher Form als Asiatisch definieren. Der Begriff wird großgeschrieben. Er verdeutlicht die Vielfalt der deutschen Gesellschaft. Gleichzeitig beschreibt der Begriff die gemeinsame Erfahrung von Anti-Asiatischem Rassismus.[1]

 

[1] Vgl. die Selbstbeschreibung der (post)migrantischen Selbstorganisation korientation unter https://www.korientation.de/ueber-uns/ (04.03.2024)

Austausch ermöglicht es Menschen, sich zu verständigen, zu verstehen und kennenzulernen. Der regelmäßige Austausch ist die Grundlage für eine starke Pat*innenschaft und alle Formen des Zusammenlebens. Im Austausch mit anderen teilen wir als Einzelne etwas von uns (mit). Wir teilen unsere Gedanken und empfangen im Tausch die Gedanken der anderen Person. Wir lernen dadurch andere Wahrnehmungen, Erfahrungen, Gefühle, Werte und Meinungen kennen. Austausch ermöglicht uns, die Perspektiven der anderen Person besser zu verstehen. Deswegen ist Austausch wichtig, um empathisch zu sein. Durch den Austausch mit anderen erfahren wir, dass Menschen, ihre Leben und Erfahrungen unterschiedlich sind. Das erweitert unseren Horizont und trainiert unsere Toleranz.

BIPoC ist eine politische Selbstbezeichnung von Menschen, die gemeinsame und unterschiedliche Rassismuserfahrungen machen. Die Abkürzung auf englischer Sprache steht für Black, Indigenious und People of Color. Black bezieht sich auf die Erfahrung Schwarzer, afrikanischer, afrodeutscher und afrodiasporischer Menschen. Indigenious meint die Nachkommen der Menschen, die während des europäischen Kolonialismus kolonisiert wurden. People of Color bezieht sich auf alle Menschen, die Rassismus erleben. Der Begriff ist in der Bürger*innenrechtsbewegung in den 1960er Jahren in den USA entstanden.[1]

 

[1] Vgl. Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Eine Anleitung zum Mitmachen. Münster: Unrast, S. 14.

Der Begriff Empowerment kommt aus der Schwarzen Bürger*innenrechtsbewegung in den 1950er Jahren in den USA. Übersetzt heißt es unter anderem: Selbstbemächtigung oder Selbstbefähigung. Empowerment will die Selbstbestimmung von Einzelpersonen oder Gruppen stärken, die strukturell diskriminiert werden. Das Konzept ist damit ein Ausdruck von Widerstand gegen Fremdbestimmung. Es gibt unterschiedliche Formen von Empowerment. Jede Person und Gruppe definiert selbst, welche Form zu ihr passt. Zum Beispiel durch gemeinsame Austauschräume, Petitionen, politische Lobbyarbeit, der Organisation von Demonstrationen, der Selbstorganisation in Verbänden und vieles mehr.[1]

Auch Pat*innenschaften können mit dem Konzept Empowerment arbeiten. Zum Beispiel durch:

  • Peer-to-Peer Angebote für Menschen, die ähnliche Diskriminierungserfahrungen machen
  • Empowerment-Räume für und von Menschen mit ähnlichen Diskriminierungserfahrungen. Diese Räume werden oft auch Safer Spaces genannt
  • Durch die Empfehlung von Empowerment-Angeboten und Aktivitäten

Empowerment ist ein selbstbestimmter Prozess. Teilnehmende in Pat*innenschaften können demnach nicht „empowert werden“. Der Begriff ist deswegen keine passende Übersetzung für „Unterstützung“. Das gemeinsame Erfahrungswissen Betroffener und die gegenseitige Unterstützung ist der Schlüssel für Empowerment.

 

[1] Vgl. Rosenstreich (2020): Empowerment und Powersharing aus intersektionaler Perspektive. In: Jagusch, Chehata (Hg.): Empowerment und Powersharing. Ankerpunkte – Positionierungen – Arenen. Weinheim & Basel: Beltz, S. 348 f.

Diaspora bedeutet Zerstreuung oder Zerstreutheit. Diaspora bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die ihre Heimat unfreiwillig verlassen haben und heute an unterschiedlichen Orten der Welt leben. Personen einer Diaspora fühlen sich oft durch Herkunftsland, Geschichte, Religion oder Kultur verbunden.[1] Der Begriff wird zum Beispiel für die jüdische Diaspora verwendet. Als afrodiasporisch oder asiatisch-diasporisch wird das gemeinschaftliche kulturelle Erbe von Menschen mit Bezug zu Afrika bzw. Asien ausgedrückt.[2] Diaspora wird heute für eine Vielzahl an Migrationsbewegungen unterschiedlich verwendet. Das Kollektiv erklärmirmal beschreibt seine Bedeutung aus verschiedenen Perspektiven anschaulich in diesem Video (25.03.2024).

 

[1] Vgl. https://www.jmberlin.de/begriff-diaspora (07.03.2024)
[2] Vgl. https://www.idaev.de/recherchetools/glossar (07.03.2024)

Im Zusammenhang mit Pat*innenschaften sprechen wir oft von Demokratie. Es heißt dann: Pat*innenschaften stärken die Demokratie. Doch was ist damit genau gemeint?

Allgemein heißt Demokratie die „Macht des Volkes“. Der Begriff kommt aus dem Griechischen.[1] Demokratie beschreibt eine Politik- und Gesellschaftsform, die das Zusammenleben ordnet. Die Grundlagen der Demokratie in Deutschland sind zum Beispiel:

  • Die Freiheit und Gleichheit aller Menschen
  • Der Schutz von Minderheiten
  • Die Vertretung des Volkes durch Wahlen von Parlamenten, Parteien und Verbänden
  • Rechtsstaat: Grundrechte und Menschenrechte in der Verfassung
  • Gegenseitige Kontrolle von Gesetzgebung, der Regierung und den Gerichten
  • Freie Medien
  • Interessensgruppen
  • Zivilgesellschaftliches Engagement[2]

(Mehr Informationen findet ihr zum Beispiel bei der Bundeszentrale für politische Bildung.)

Pat*innenschaften sind eine Form von zivilgesellschaftlichem Engagement. Das heißt, dass sich die Menschen freiwillig für die Gesellschaft einsetzen. Die Werte der Demokratie, die zum Beispiel im Grundgesetz und den Menschenrechten stehen, müssen gelebt werden. Organisationen, die Pat*innenschaften anbieten, sind damit ein wichtiger Teil von Demokratie: sie schaffen Strukturen, in denen Menschen sich für andere Menschen und deren Rechte einsetzen können. Darüber hinaus vertreten sie die Interessen der Teilnehmenden gegenüber der Politik.

 

[1] Vgl. https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17321/demokratie/ (21.11.2023)
[2] Vgl. ebd. (21.11.2023)

Im Zusammenhang mit Pat*innenschaften sprechen wir oft von gesellschaftlichem Zusammenhalt. Es heißt dann: Pat*innenschaften stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch was ist damit genau gemeint? Was ist eine Gesellschaft, was hält sie zusammen und was haben Pat*innenschaften damit zu tun?

Gesellschaft ist all das, was uns umgibt: die Menschen, ihre Beziehungen, die Medien, Kunst und Kultur, Institutionen, Gesetze, Politik, der Umgang mit der Natur. Eine demokratische Gesellschaft schützt die Würde und Freiheit jedes einzelnen Menschen. Diese Werte sind Menschenrechte. Sie stehen auch im Grundgesetz.

Wie die Menschen ist auch die Gesellschaft in Deutschland vielfältig. Sie ist mit der Welt verbunden und verändert sich immer wieder. Zusammengehalten wird sie durch vertrauensvolle Beziehungen, das Gefühl von Zugehörigkeit, fairen Gesetzen und der Bereitschaft, sich für andere einzusetzen.[1]

Strukturelle Diskriminierung gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Menschen werden dadurch nicht in ihrer Einzigartigkeit anerkannt. Sie werden ausgeschlossen und haben nicht dieselben Rechte und Freiheiten, obwohl sie ihnen zustehen.

Starke Pat*innenschaften können dem zum Teil entgegenwirken. Sie ermöglichen zum Beispiel, Erfahrungen und Lebenswelten zu teilen – und Anerkennung dafür zu finden. Das sind die ersten kleinen Schritte. Hin zu echter Teilhabe und dem Zusammenhalten in einer vielfältigen Gesellschaft.

 

[1] Vgl. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/gesellschaftlicher-zusammenhalt-in-baden-wuerttemberg-2022-kurzbericht (1.12.2023)

Marginal bedeutet am Rande, an oder auf der Grenze liegend. Marginalisierung bezeichnet die Verdrängung und Ausgrenzung von Menschen und sozialen Gruppen an den Rand der Gesellschaft. Marginalisierung tritt in Zusammenhang mit struktureller Diskriminierung auf. Oft werden Menschen dabei mehrfach diskriminiert (Intersektionalität). Marginalisierung in vielen oder allen Lebensbereichen zeigt sich durch mangelnde Teilhabe, Unsichtbarkeit und Ausgrenzung. Die Ausgrenzung kann sich auf die psychische und physische Gesundheit auswirken. Marginalisierung betrifft nicht nur Minderheiten. So sind zum Beispiel Frauen* oder Menschen mit Migrationserfahrungen marginalisiert, obwohl sie keine Minderheiten sind. Ziel beim Engagement gegen Marginalisierung ist die selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen in ihrer Einzigartigkeit und Vielfalt. Dabei geht es nicht um eine Norm von Gesellschaft, der sich alle anpassen sollen, um dazuzugehören.[1] Teilnehmende in Pat*innenschaften können unterschiedlich von Marginalisierung betroffen sein. Zum Beispiel durch:

  • Fehlende politische Vertretung, fehlende Fürsprecher*innen
  • Fehlende gesellschaftliche Anerkennung
  • Gesellschaftliche Abwertung, tief verankerte Vorurteile
  • Mehrfachdiskriminierung: zum Beispiel durch Sexismus, Klassismus und Rassismus (eine alleinerziehende, von Armut betroffene, geflüchtete Frau)

 

[1] Vgl. https://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzeptg/l52/l5287.htm (30.11.2023)

Othering heißt übersetzt „Veranderung“, „Anders-Machen“ oder „Fremd-Machung“. Es gibt Theorien, die zeigen, dass Menschen in Gegensätzen denken.[1] Das kann schwere Folgen haben, weil es den Menschen und der Realität nicht gerecht wird. Bei Othering verursacht dieses Denken strukturelle Diskriminierung. Menschen werden dabei nach bestimmten Merkmalen in soziale Gruppen eingeordnet. Sie werden nicht mehr als Personen gesehen, die einzigartig, vielschichtig und unterschiedlich sind. Stattdessen werden sie als Vertreter*innen einer sozialen Gruppe wahrgenommen. Die soziale Gruppe wird als „anders“ markiert. Ihr werden zudem negative Eigenschaften zugeschrieben. Othering unterscheidet zwischen:

„dazugehören“ und „nicht-dazugehören“, „normal“ und „anders“, dem „Eigenen“ und dem „Fremden“, einer „überlegenen“ Wir-Gruppe und einer „unterlegenen“ Ihr-Gruppe.[2] Othering benachteiligt, grenzt Menschen aus vielen Lebensbereichen aus und verletzt.[3]

Pat*innenschaften können Othering entgegenwirken: Menschen lernen sich persönlich kennen, erfahren Gemeinsamkeiten und bauen Vorurteile ab. Gleichzeitig bewegen sich auch Pat*innenschaften in einer durch Othering geprägten Gesellschaft. Deswegen ist es sehr wichtig, die Vielfalt, Vielschichtigkeit und Einzigartigkeit der Teilnehmenden anzuerkennen.

 

[1] Vgl. https://www.jugendarbeit-staerken.de/wp-content/uploads/2018/11/ilevel.pdf (23.11.2023)
[2] Vgl. Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Münster: Unrast, S.41.
[3] Vgl. Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Münster: Unrast, S.39.

Powersharing heißt übersetzt „Macht teilen“ oder „umverteilen“. Mit „Macht“ sind Privilegien und Zugänge zu gesellschaftlichen Gütern wie Wohnung, Arbeit, Bildung und Gesundheit gemeint. Powersharing hinterfragt die Ungerechtigkeiten, die durch strukturelle Diskriminierung entstehen.

Powersharing steht in direktem Zusammenhang mit Empowerment. Powersharing heißt, sich für die faire Behandlung und Selbstbestimmung von benachteiligten Personen(-gruppen) einzusetzen. Zum Beispiel durch das Teilen von Ressourcen, ohne über deren Verwendung zu bestimmen. Das können zum Beispiel Räume, Geld, Status, Öffentlichkeit oder Kompetenzen sein. Die Haltung ist dabei eine solidarische – mit dem Ziel, gesellschaftliche Veränderung zu schaffen.[1]

Welche Bedürfnisse strukturell benachteiligte Personen haben, können sie nur selbst entscheiden. Durch ihre vielfältigen Identitäten haben außerdem alle Menschen unterschiedliche Ressourcen, die geteilt werden können.[2] Die Selbstbestimmung der Teilnehmenden in Pat*innenschaften ist dabei die Voraussetzung für eine nachhaltige Unterstützung. Im Verlauf der Pat*innenschaft kann sich die Verteilung von Ressourcen auch ändern.

 

[1] Vgl. Rosenstreich (2020): Empowerment und Powersharing aus intersektionaler Perspektive. In: Jagusch, Chehata (Hg.): Empowerment und Powersharing. Ankerpunkte – Positionierungen – Arenen. Weinheim & Basel: Beltz, S. 233.
[2] Vgl. Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Eine Anleitung zum Mitmachen. Münster: Unrast, S. 174f.

Strukturelle Diskriminierung berührt alle Menschen. Während strukturelle Diskriminierung die einen Menschen benachteiligt, verschafft sie den anderen Menschen Vorteile. Das sind Privilegien. Menschen, die von der Gesellschaft bevorteilt werden, verfügen über Privilegien. Zum Beispiel haben sie einen leichteren Zugang zu gesellschaftlichen Gütern wie zum Beispiel Wohnung, Bildung, Arbeit, Gesundheit, Kunst & Kultur. Sie können ihre Ziele leichter erreichen und erfahren weniger Widerstand oder Hürden bei der Umsetzung. Sie begegnen in vielen Lebensbereichen „offenen Türen“.[1]Innerhalb von Pat*innenschaften können Privilegien ungleich verteilt sein. Privilegien äußern sich je nach Diskriminierungsform unterschiedlich. Sie bestehen auf den unterschiedlichen Ebenen struktureller Diskriminierung und haben Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Gleichzeitig verstärken sich Formen der Diskriminierung gegenseitig. Wie zum Beispiel die Ausgrenzung bei Klassismus und Rassismus. Oder das Sicherheitsrisiko bei Sexismus und Rassismus.

Privilegien können zum Beispiel sein:

  • unhinterfragt dazuzugehören
  • nicht als fremd wahrgenommen zu werden
  • nicht als Vertreter*in für eine soziale Gruppe sprechen zu müssen
  • zu spät zu kommen, ohne dass es auf meine “Kultur” oder soziale Herkunft zurückgeführt wird
  • dass meine Kenntnisse nicht in Frage gestellt werden
  • mir keine Sorgen um meine Sicherheit auf dem Heimweg, auf einem Ausflug machen zu müssen
  • nicht unbegründet von der Polizei kontrolliert zu werden
  • mich nicht fragen zu müssen, ob meine Kleidung ein Sicherheitsrisiko darstellt
  • in meiner Erstsprache zu lernen, zu arbeiten und soziale Kontakte zu führen
  • mir keine Sorgen, um meinen Aufenthaltstitel machen zu müssen

…und vieles mehr.

Im Nachdenken über eure Möglichkeiten und Grenzen in der Pat*innenschaft fallen euch sicherlich weitere Privilegien ein. Innerhalb von Pat*innenschaften hilft uns das Bewusstsein für ungleiche Freiheiten, um sensibel für die Lebensrealitäten der anderen zu sein. Wir können dann hilfreiche Unterstützung anbieten.

Gleichzeitig ist es ein Ziel von Pat*innenschaften, die Folgen struktureller Diskriminierung zu verändern. Pat*innenschaften möchten Zugänge zu Bildung und Arbeit erleichtern und Teilnehmende auf ihrem Weg unterstützen. Die Haltung ist dabei eine solidarische, die langfristige gesellschaftliche Veränderungen anstrebt. Es geht um das gleiche Recht auf Selbstbestimmung und die freie Entfaltung der Persönlichkeit.

 

[1] Vgl. Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Münster: Unrast, S. 56. (Bezug zu einem Themenblatt der AWO: https://awo.org/sites/default/files/2022-01/DEVI_Themenblatt_Privilegien_0.pdf (24.11.2023)

Rassismus ist eine Form von struktureller Diskriminierung. Viele denken bei Rassismus an Hass, Terroranschläge und Gewalt. Menschen, die sowas tun, sind absichtlich rassistisch und folgen menschenfeindlichen Ideologien.[1] Doch Rassismus umfasst viel mehr. Er prägt die Art und Weise, wie wir uns selbst und die Welt wahrnehmen.[2] Wir denken und handeln deswegen automatisch durch Rassismus geprägt. Es geht bei Rassismus somit nicht nur um die Absicht, die hinter einer Handlung steckt.

Rassismus ordnet Menschen nach tatsächlichen oder vermeintlichen biologischen oder kulturellen Merkmalen wie zum Beispiel Aussehen, Herkunft, Sprache, Religion in Gruppen ein. Diese Gruppen werden als einheitlich erfunden, abgewertet und ausgegrenzt.[3] Personen werden dabei durch Othering rassifiziert. Sie werden Gruppen zugeordnet, die als „fremd“, „unterlegen“ und „anders“ gelten, und „nicht dazugehören“.[4] Rassismus begründet soziale Hierarchien und Machtungleichheiten.

Rassismus gibt es in unterschiedlichen Formen. Deswegen spricht die Forschung von Rassismen. All diese Formen sind unterschiedlich in ihren rassistischen Vorstellungen und ihrer Geschichte. Sie verändern sich mit der Zeit, Gesellschaft und Kultur.[5] Wir erläutern in diesem Glossar die folgenden Rassismen: Anti-Asiatischer Rassismus, Anti-Muslimischer Rassismus, Anti-Schwarzer Rassismus und Gadjé-Rassismus.

Als strukturelle Diskriminierung wirkt Rassismus auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Diese Ebenen sind miteinander verwoben und bedingen sich gegenseitig. Wir arbeiten mit dem Modell der 4 I’s:

  • Ideologisch: Werte, Vorstellungen, Bilder
  • Institutionell: Gesetze, Regeln und Abläufe in Organisationen und Behörden
  • Interpersonell: Zwischen Menschen
  • Internalisiert: Persönliche, psychologische Ebene[6]

Pat*innenschaften können Rassismus entgegenwirken: Menschen begegnen sich persönlich, erfahren Gemeinsamkeiten und bauen rassistische Vorurteile ab. Sie setzen sich füreinander ein und unterstützen sich gegenseitig. Gleichzeitig bewegen sich auch Pat*innenschaften in einer von Rassismus geprägten Welt. Dadurch…

  • kann Rassismus innerhalb von Pat*innenschaften passieren
  • können Pat*innenschaften Rassismus bei ihren Aktivitäten erfahren
  • können Mentees und/oder Mentor*innen in ihrem Alltag Rassismus erfahren
  • können Medienberichte und Öffentlichkeitsarbeit über Pat*innenschaften Rassismus reproduzieren

Unsere Praxishilfen zeigen konkrete Beispiele und Gegenreaktionen auf. Um Rassismus zu erkennen, helfen außerdem die folgenden Fragen: Wer definiert, was „normal“ ist? Wer handelt aktiv? Wer wird passiv dargestellt? Wer gehört (automatisch) dazu? Wer muss sich erst beweisen, um dazu zugehören? Wer wird angesprochen, wer nicht? Wer antwortet auf welche Fragen?[7]

 

[1] Vgl. Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Eine Anleitung zum Mitmachen. Münster: Unrast, S. 23.
[2] Vgl. (2018): Rassismus. Eine Definition für die Alltagsspraxis. Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. (Hg.): PDF , S.2.
[3] Vgl. „Rassismus“ in: https://www.idaev.de/recherchetools/glossar (23.11.2023)
[4] Vgl. https://www.haltung-zeigen.org/wp-content/uploads/2022/07/2021_Workshopdokumentation_IHZ.pdf , S. 8. (23.11.2023)
[5] Vgl. Hall (2000): Rassismus als ideologischer Diskurs, in: Räthzel Theorien über Rassismus, Hamburg: Argument Verlag, S. 7-16.
[6] Vgl. https://www.haltung-zeigen.org/wp-content/uploads/2022/07/2021_Workshopdokumentation_IHZ.pdf , S. 9ff. (23.11.2023)
[7] Vgl. Czollek, Perko, Kaszner, Czollek (2019): Praxishandbuch Social Justice und Diversity, Weinheim& Basel: Beltz, 2.Aufl., S.26.

Anti-Asiatischer Rassismus ist die strukturelle Diskriminierung von Asiatisch-Deutschen, asiatisch-diasporischer Menschen, Menschen asiatischer Herkunft und Menschen, die als asiatisch markiert oder gelesen werden. Anti-Asiatischer-Rassismus ist in der europäischen Kolonialzeit im 13. Jahrhundert entstanden. Der asiatische Kontinent und seine Bewohner*innen galten in diesen Vorstellungen als „anders“, „exotisch“ und „gefährlich“.[1] Deutschland begründete die Kolonisierung von Kiautschou in China 1897 durch seine angebliche “Überlegenheit”.[2] Anti-Asiatischer Rassismus ist vielschichtig, historisch gewachsen und wirkt bis heute fort.

Asiatisch-Deutsche, asiatisch-diasporische, asiatische und als asiatisch markierte Teilnehmende in Pat*innenschaften können unterschiedlich von Anti-Asiatischem-Rassismus betroffen sein. Zum Beispiel durch:

    • Die Annahme, nicht Deutsch zu sein / kein Deutsch zu sprechen
    • als Vorzeigemigrant*in zu gelten
    • für den Corona-Virus verantwortlich gemacht zu werden
    • Demütigungen und Witze über Essen, Aussehen und Sprache
    • Sexualisierte und exotisierende Vorstellungen

Mehr Informationen findet ihr auch in dem Artikel „Antiasiatischer Rassismus in Deutschland“ von Kimiko Suda, Sabrina J. Mayer und Christoph Nguyen (05.03.2024);

und in dieser Broschüre von Cuso Ehrich und akiko rive für den Verein korientation (05.03.2024).

 

[1] Vgl. Keevak (2011): Becoming Yellow. A Short History of Racial Thinking in: Suda, Mayer, Nguyen (2020): Antiasiatischer Rassismus in Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), online unter: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/antirassismus-2020/316771/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland/

[2] Vgl. Leutner, Bräuner (1990): „Im Namen einer höheren Gesittung“. Die Kolonialperiode, 1897–1914, in: Leutner, Yü-Dembski (Hrsg.): Exotik und Wirklichkeit. China in Reisebeschreibungen vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München, S. 41–52 in ebd.: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/antirassismus-2020/316771/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland/

Anti-Schwarzer Rassismus ist die strukturelle Diskriminierung von Schwarzen, afrikanischen, afrodiasporischen und afrodeutschen Menschen. In Deutschland und Europa gibt es Anti-Schwarzen-Rassismus seit der Zeit der Versklavung des afrikanischen Kontinents im 14./15. Jahrhundert. Er zeigt sich durch Herabwürdigung, Entmenschlichung und rassistische Diskriminierung. Europäische „Rasse“-Theorien aus dem 17. Jahrhundert rechtfertigten die Ausbeutung und Versklavung des afrikanischen Kontinents.[1] Anti-Schwarzer Rassismus ist historisch gewachsen und wirkt bis heute fort.

Schwarze, afrikanische, afrodiasporische und afrodeutsche Teilnehmende in Pat*innenschaften können unterschiedlich von Anti-Schwarzem-Rassismus betroffen sein. Zum Beispiel durch:

    • Die Annahme, nicht Deutsch zu sein / kein Deutsch zu sprechen
    • Grundlose Polizeikontrollen und dem Verdacht, Drogen zu verkaufen – racial profiling
    • Schlechtere Noten bei gleicher Leistung in Schule, Ausbildung und Universität
    • Benachteiligung auf dem Wohnungsmarkt
    • Ungefragtes Anfassen der Haare
    • Nicht ernst genommen zu werden, z.B. bei der Ärzt*in / dem Arzt*

Mehr Informationen findet ihr bei dem Verein Each One Teach One e.V. (EOTO). Der Afrozensus, eine bundesweite Studie des Vereins beschreibt die Geschichte und Gegenwart von Anti-Schwarzem Rassismus ausführlich. Es gibt auch eine Kurzversion der Studie unter: https://afrozensus.de/ (06.03.2024)

 

[1] Vgl. Aikins, Bremberger, Aikins, Gyamerah, Yıldırım-Caliman (2021): Afrozensus 2020: Perspektiven, Anti-Schwarze Rassismuserfahrungen und Engagement Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland, Berlin. Online verfügbar unter: www.afrozensus.de; Ganzseitiges Dokument, S.34-40. (05.01.2024)

Gadjé-Rassismus oder Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze ist die strukturelle Diskriminierung von Sinti*zze und Rom*nja und Menschen, die als Rom*nja und Sinti*zze markiert werden. Rom*nja und Sinti*zze sind die größte und eine der ältesten Minderheiten Europas. Sie sind weltweit von Ausgrenzung, struktureller Diskriminierung und Gewalt betroffen. In Deutschland seit dem 15. Jahrhundert. Die Nationalsozialist*innen begangen einen Völkermord an Rom*nja und Sinti*zze. Gadjé-Rassismus oder Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze ist vielschichtig, historisch gewachsen und wirkt bis heute fort.

Sinti*zze und Rom*nja und Menschen, die als Rom*nja und Sinti*zze markiert werden, können als Teilnehmende in Pat*innenschaften unterschiedlich von Gadjé-Rassismus betroffen sein. Zum Beispiel durch:

    • Die Annahme, nicht Deutsch zu sein / kein Deutsch zu sprechen
    • Ausgrenzung
    • Rassistische Fremdbezeichnung
    • für kriminell gehalten zu werden
    • Sexualisierte und exotisierende Vorstellungen
    • Als Forschungsobjekt behandelt zu werden

 

Mehr Informationen findet zum Beispiel bei der Organisation Romani Phen e.V.. Und in dem Artikel von Isidora Randjelović von 2019: „Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze“ unter: https://www.vielfalt-mediathek.de/ (06.03.2024)

Wissenschaftlich ist eindeutig belegt, dass es keine biologische Menschen-„Rassen“ gibt. So wird heute oft von verschiedenen „Kulturen“ gesprochen, um Unterschiede zu markieren und festzuschreiben.[1] Kulturrassismus definiert gesellschaftliche Gruppen als „kulturell anders“ und wertet diese ab. Die Unterscheidung soll zeigen, wer dazugehört und wer nicht. Ein gleichberechtigtes Zusammenleben in kultureller Vielfalt soll dadurch vermieden werden. Menschen „kulturell anderen“ Gruppen zuzuordnen, wird auch Kulturalisierung genannt (siehe dazu Othering).[2]

Pat*innenschaften können dem entgegenwirken. Durch das persönliche Kennenlernen können vereinheitlichende Vorstellungen aufgelöst werden. Gleichzeitig kann es auch dazu kommen, dass vermeintliche Unterschiede betont werden und Menschen auf ihre kulturellen Prägungen reduziert werden. Zum Beispiel in „Interkulturellen Trainings“. Um dem entgegenzuwirken, hilft es, sich bewusst zu machen, dass:

    • „Kulturen“ sich stetig verändern und vielfältig sind. Es gibt nicht die eine „Kultur“. Die Summe aus Gesellschaft, Geschichte, Sprache, Religion, Wissenschaft, Medien, Mode, Kunst & Kultur, Politik, Wirtschaft, Gesetze, Normen und Gepflogenheiten sind alles Ausdrücke von Kultur. Jeder Bereich vereint in sich wiederum eine Vielzahl an Ausdrucksformen
    • Menschen werden unterschiedlich und mehrfach kulturell geprägt. Sie haben zum Beispiel an verschiedenen Orten gelebt, unterschiedliche Erinnerungen und Einstellungen
    • kulturelle Identitäten sind deswegen sehr individuell, vielfältig und verändern sich stetig
    • die kulturelle Prägung einer Person ist nur ein Teil ihrer vielschichtigen Identität

 

[1] Vgl. https://www.haltung-zeigen.org/wp-content/uploads/2022/07/2021_Workshopdokumentation_IHZ.pdf, S. 18. (30.11.2023); Vgl. Maureen Maisha Auma (2018): Rassismus. Eine Definition für die Alltagsspraxis. Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. (Hg.): https://raa-berlin.de/wp-content/uploads/2019/01/RAA-BERLIN-DO-RASSISMUS-EINE-DEFINITION-F%C3%9CR-DIE-ALLTAGSPRAXIS.pdf S. 10. (30.11.2023)

[2] Vgl. https://www.haltung-zeigen.org/wp-content/uploads/2022/07/2021_Workshopdokumentation_IHZ.pdf, S. 18. (30.11.2023); Vgl. Maureen Maisha Auma (2018): Rassismus. Eine Definition für die Alltagsspraxis. Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. (Hg.): https://raa-berlin.de/wp-content/uploads/2019/01/RAA-BERLIN-DO-RASSISMUS-EINE-DEFINITION-F%C3%9CR-DIE-ALLTAGSPRAXIS.pdf S. 10. (30.11.2023)

Die Idee der Safer Spaces ist in der Schwarzen Frauenbewegung in den 1960er Jahren in den USA entstanden. Sie wollten damals Räume schaffen, in denen sie ihre Meinung frei sagen können. Heute gibt es Safer Spaces für viele Menschen, die strukturell diskriminiert werden. Safer Spaces sollen eine einschließende, inklusive Umgebung schaffen. Sie richten sich an alle, die im Alltag Ausgrenzung erfahren. In Safer Spaces treffen Menschen zusammen, die dieselben oder ähnliche Erfahrungen mit Diskriminierung machen. Ziel ist, dass sich die Teilnehmenden dadurch sicherer fühlen, sich von Ausgrenzungserfahrungen erholen, sich austauschen und gegenseitig bestärken können.[1]

Auch Pat*innenschaften können mit Safer Spaces arbeiten. Organisationen können zum Beispiel Safer Spaces zusammen mit Expert*innen organisieren. Oder Organisationen und Teilnehmende empfehlen Safer Spaces von anderen Organisationen. Angebote adressieren in der Regel eine oder mehrere Diskriminierungserfahrungen mit einem intersektionalen Ansatz. Zum Beispiel Frauen* mit Sexismus- und Rassismuserfahrung.

 

[1] Vgl. Apraku/Hong (2023): Wie erkläre ich Kindern Rassismus? Berlin: Familiar Faces, S. 72.

Schwarz ist eine politische Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen. Die Selbstbezeichnung beschreibt keinen vermeintlichen Hautton. Schwarz meint die von Rassismus erfundene soziale Position, durch die betroffene Menschen strukturell diskriminiert werden.[1] Deswegen wird der Begriff großgeschrieben. Er dient als politische Selbstverortung, Empowerment und Verbündung. Die Selbstbezeichnung Schwarze Deutsche ist zur selben Zeit wie afrodeutsch/Afrodeutsche in den 1980er Jahren entstanden. Beide Begriffe waren die Voraussetzung für die politische Selbstorganisation Schwarzer Menschen in Deutschland. Sie markieren die gemeinsamen Erfahrungen und Lebensrealitäten in einer von Rassismus geprägten Gesellschaft. Darin wird weiß als Norm erhöht und ”nicht-weiß” als Abweichung erfunden. ”Nicht-weiße” Menschen werden ausgegrenzt.[2] Der Begriff Schwarze Deutsche verdeutlicht demnach eine Schwarze Existenz und Geschichte in Deutschland. Er widerspricht der rassistischen Einteilung von weiß (und nicht-weiß) sein.[3]

 

[1] Vgl. Apraku/Hong (2023): Wie erkläre ich Kindern Rassismus? Berlin: Familiar Faces, S. 72.
[2] Vgl. Sow (2008): ”Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus. München: Bertelsmann, S. 20 und 26-29 in: Arndt, Ofuatey-Alazard (Hg.) (2019): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, 3. Aufl., Münster: Unrast, S. 610.

[3] Vgl. al Samarai: “Schwarze Deutsche“ in: Arndt, Ofuatey-Alazard (Hg.) (2019): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, 3. Aufl., Münster: Unrast, S. 611-613.

Strukturelle Diskriminierung zeigt sich auch durch die Namen, durch die soziale Gruppen verallgemeinert und abgewertet werden. Viele der Begriffe sind gewaltvoll und im Kolonialismus und Nationalsozialismus entstanden. Gleichzeitig entstehen fortlaufend neue Fremdzuschreibungen. Fremdzuschreibungen sind Bezeichnungen für soziale Gruppen, die durch Othering entstanden sind: Sie verallgemeinern und vereinheitlichen soziale Gruppen, markieren sie als „anders“ oder „fremd“ und schreiben ihnen negative Eigenschaften zu. Damit sind Fremdzuschreibungen ein fester Bestandteil von struktureller Diskriminierung.

Als Widerstand gegen Fremdzuschreibungen gibt es Selbstbezeichnungen. Selbstbezeichnungen sind das Ergebnis politischer Widerstandsbewegungen. Betroffene haben sich zusammengeschlossen und sich selbst einen Namen gegeben. Selbstbezeichnungen sind zum Beispiel: Schwarz, Queer, LGBTQA+, PoC, BIPoC, Asiatisch-Deutsch und viele mehr.

Wie sich Personen selbst bezeichnen, kann je nach politischer Haltung sehr unterschiedlich sein. Für Teilnehmende in Pat*innenschaften und generell gilt: Personen sollten nicht von anderen bezeichnet werden oder einer sozialen Gruppe zugeordnet werden. Sie sollten stets individuell mit ihrem Namen angesprochen werden.

Die soziale Position oder soziale Positionierung einer Person beschreibt ihre Diskriminierungserfahrung(-en) in der Gesellschaft. Die Begriffe haben das Ziel, strukturelle Diskriminierung und Privilegiertheit zu erkennen und ihr entgegenzuwirken. Um die eigene soziale Position zu erkennen, helfen die Fragen: Welche Diskriminierungserfahrungen mache ich in meinem Alltag? Erfahre ich Rassismus? Bin ich von Sexismus betroffen? Bin ich mit Zugang zu Geld und Bildung aufgewachsen oder erfahre ich Klassismus? In welchen Bereichen habe ich Vorteile und Privilegien?[1] Die Auseinandersetzung mit der eigenen sozialen Position kann mit schwierigen Gefühlen einhergehen. Übungen zu Positionierungen sollten deswegen professionell begleitet werden. Zum Beispiel in einem Workshop.

 

[1] Vgl. „Positionierung“ in: https://i-paed-berlin.de/glossar (28.11.2023); Vgl. „soziale Position“ in: Josephine Apraku (2023): Mein Workbook zu Rassismus. Berlin: Familiar Faces, S. 179.

Strukturelle Diskriminierung ist die ungleiche, benachteiligende und ausgrenzende Behandlung von Menschen.[1] Die betroffenen Personen werden bei gesellschaftlichen Gütern wie zum Beispiel Wohnung, Arbeit, Gesundheit, Bildung benachteiligt. Sie haben dadurch unter anderem größere Schwierigkeiten …

  • eine Wohnung zu finden,
  • eine passende Arbeit zu finden und einen angemessenen Lohn zu bekommen,
  • bei der Ärzt*in/ dem Arzt* ernstgenommen zu werden und die passende Behandlung zu bekommen,
  • in der Kita, Schule, Ausbildung, Universität gefördert zu werden und nach ihren tatsächlichen Leistungen bewertet zu werden

Menschen, die diskriminiert werden, werden oft auch herabgewürdigt, beleidigt oder missachtet. Sie werden zu „Anderen“ gemacht und abgewertet (Othering). Sie gelten als Teil einer Gruppe und nicht als einzelne Personen. Strukturelle Diskriminierung hat eine lange Geschichte in der Gesellschaft. Sie hat mit Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“, „normal“ und „anders“ zu tun. Strukturelle Diskriminierung kann deswegen oft unsichtbar und normalisiert sein. Strukturelle Diskriminierung passiert auf mehreren Ebenen:

  • persönlich und zwischen Menschen: wie Personen sprechen und handeln
  • kulturell oder ideologisch: welche Bilder und Vorstellungen es über Menschen gibt
  • institutionell: durch unfaire Gesetze, Regeln und Abläufe in Organisationen und Behörden

Diese Ebenen sind miteinander verbunden und wirken oft gleichzeitig. Deswegen sprechen wir von struktureller Diskriminierung und nicht nur von Diskriminierung.[2] Es gibt außerdem unterschiedliche Formen von struktureller Diskriminierung. Jede Diskriminierungsform hat ihre eigene Geschichte und verändert sich mit der Zeit. Formen von struktureller Diskriminierung sind zum Beispiel: Ableismus, Adultismus, Ageismus, Antisemitismus, Diskriminierung Ost, Rassismus, Klassismus, Lookismus, Homo- und Queerfeindlichkeit, Sexismus. Personen können gleichzeitig von unterschiedlichen Formen von struktureller Diskriminierung betroffen sein. Genauso können Personen in einem Bereich diskriminiert werden und in einem anderen Bereich Privilegien haben. Das heißt Intersektionalität.

Pat*innenschaften können struktureller Diskriminierung zu einem gewissen Teil entgegenwirken: Menschen begegnen sich persönlich, erfahren Gemeinsamkeiten und bauen Vorurteile ab. Sie setzen sich füreinander ein und unterstützen sich gegenseitig. Sie schaffen Zugänge zu gesellschaftlichen Gütern. Sie unterstützen Menschen zum Beispiel beim Lernen, bei der Wohnungssuche, bei der Arbeitssuche, bei der Kinderbetreuung und beim Ankommen. Dadurch stärken sie die gleichberechtigte Teilhabe.

Gleichzeitig kann Diskriminierung auch Mentees und/oder Mentor*innen treffen. In ihrem Alltag und auch im Rahmen ihrer Pat*innenschaft. Zum Beispiel bei der Akquise, der Anmeldung, der Vermittlung oder in der Begegnung innerhalb der Pat*innenschaft. Wenn es dazu kommt, können Betroffene den Vorfall bei einer Vertrauensperson melden.  Antidiskriminierungsstellen helfen, das Erlebte zu verarbeiten und die eigenen Rechte zu vertreten. Adressen von Antidiskriminierungsstellen findet ihr zum Beispiel beim Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) oder bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Organisationen sollten zudem selbst geschulte Ansprechpersonen haben, oder Anlaufstellen für Betroffene von Diskriminierung einrichten. Um Diskriminierungen in der eigenen Organisation zu vermeiden, sollte diese auf vorhandene Barrieren überprüft werden. Wie das funktionieren kann und mehr Informationen findet ihr bei der RAA Berlin unter:

https://raa-berlin.de/service/diversitaetsorientierte-organisationsentwicklung/ (11.03.2024)

 

[1] Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist noch wichtig: „ohne sachlichen Grund“. Es kann gute Gründe geben, Menschen zu bevorteilen. Zum Beispiel, um Nachteile auszugleichen. Oder wenn für eine Beratungsstelle für Frauen eine Frau als Beraterin gesucht wird. Siehe dazu: Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2022): AGG-Wegweiser, S. 29: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/ (07.01.2024)
[2] Vgl. Czollek, Perko, Kaszner, Czollek (2019): Praxishandbuch Social Justice und Diversity, Weinheim: Beltz, 2.Aufl., S.26.

Im Zusammenhang mit Pat*innenschaften sprechen wir oft von Teilhabe. Es heißt dann: Pat*innenschaften stärken die gesellschaftliche Teilhabe. Doch was ist damit genau gemeint? Was heißt Teilhabe eigentlich und welche Aufgabe können Pat*innenschaften übernehmen? 

Teilhaben heißt „teilnehmen“, „mitmachen“, „einen Anteil haben“. Wenn ich an der Gesellschaft teilhabe, dann bin ich Teil der Gesellschaft. Gleichzeitig habe ich dann auch einen Anteil an gesellschaftlichen Gütern, wie Wohnung, Arbeit, Bildung, Freizeit, digitale Medien und vielem mehr. 

Das Recht auf Teilhabe ist ein Menschenrecht. Teilhabe schützt die Würde und freie Entfaltung der Menschen. Strukturelle Diskriminierung und soziale Ungleichheiten verstoßen gegen das Menschenrecht auf gleiche Teilhabechancen.

Die vertrauensvollen Beziehungen in Pat*innenschaften stärken die soziale Teilhabe. Die gemeinsamen Aktivitäten bauen weitere Teilhabe-Brücken für Bildung, Beruf und Gesellschaft. Das Engagement füreinander fördert die demokratische Teilhabe. Der gemeinsame Einsatz für gerechtere Teilhabechancen ist Ausdruck politischer Teilhabe

Gleiche Teilhabechancen zu ermöglichen, ist auch Aufgabe von Inklusion. Sie denkt alle Menschen in ihren Fähigkeiten mit und hinterfragt bestehende Hürden. Die Gesellschaft und ihre Strukturen mitzugestalten, geht dabei über Teilhabe hinaus. Dann sprechen wir von Partizipation

Der Begriff weiß beschreibt die von Rassismus erfundene soziale Position. Weiß-sein meint also eine sozial privilegierte Position durch Rassismus. Dabei geht es um die Privilegien, die Menschen haben, wenn sie nicht negativ von Rassismus betroffen sind. Der Begriff bezeichnet keinen Hautton und keine biologischen Eigenschaften. Als solcher wird der Begriff klein und kursiv geschrieben. Der Begriff ist wichtig, um eine Sprache für Rassismus zu finden. Die Autorin und Trainerin Jule Bönkost benutzt den Begriff weiß-privilegiert. Dadurch möchte sie zeigen, dass Ungleichheiten kritisiert werden. Und nicht einzelne weiß positionierte Menschen.[1] Menschen können sich nicht aussuchen, welche soziale Position sie in der Gesellschaft haben. Gleichzeitig entscheidet diese Position über den Alltag und die persönliche Entwicklung. Als weiß-privilegierte Person wachse ich zum Beispiel mit der Wahrnehmung auf, dass ich „zugehörig“ bin. Und dass es „normal“ ist, weiß zu sein. Ich finde Menschen wie mich überall wieder. In Kinderbüchern, Schulbüchern, Filmen, Fernsehserien, Romanen und vielem mehr. Der US-Amerikanische Autor und Bürgerrechtler James Baldwin schreibt dazu: „Weiß-sein bedeutet, nie darüber nachdenken zu müssen.“[2] Weiße Privilegien spielen deswegen auch eine besondere Rolle im Engagement gegen Rassismus. Wie Privilegien gegen Rassismus eingesetzt werden können, beschreiben wir in unseren Praxishilfen.

 

[1] Vgl. Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Münster: Unrast, S. 59.
[2] Vgl. ebd.

Aikins, Muna AnNisa; Bremberger, Teresa; Aikins, Joshua Kwesi; Gyamerah, Daniel; Yıldırım-Caliman, Deniz (2021): Afrozensus 2020: Perspektiven, Anti-Schwarze Rassismuserfahrungen und Engagement Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland, Berlin. Online verfügbar unter: www.afrozensus.de, Kurzversion: https://afrozensus.de/reports/2020/

 

Mariette Nicole Afi Amoussou, Abdou Rahime Diallo, Sanga Lenz, Saskia Schindler (2022): Workshopdokumentation 2021. Rassismus- und Diskriminierungssensibilisierung im Kontext Pat*innenschaftspraxis. Initiative Haltung zeigen – Vielfalt stärken (Hg.):
https://www.haltung-zeigen.org/wp-content/uploads/2022/07/2021_Workshopdokumentation_IHZ.pdf

 

Anne Frank Zentrum (Hg.): Antisemitismus – Geschichte und Aktualität. Handreichung für pädagogische Fachkräfte und Multiplikator*innen: https://kompetenznetzwerk-antisemitismus.de/angebote/bildung/handreichung-antisemitismus-geschichte-und-aktualitaet/ (20.03.2024)

 

Josephine Apraku (2023): Mein Workbook zu Rassismus. Für eine alltägliche und tiefgehende Auseinandersetzung. Berlin: Familiar Faces.

 

Josephine Apraku/Le Hong (2023): Wie erkläre ich Kindern Rassismus? Rassismussensible Begleitung und Empowerment von klein auf. Berlin: Familiar Faces.

 

Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.) (2019): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, 3. Aufl., Münster: Unrast.

 

Maureen Maisha Auma (2018): Rassismus. Eine Definition für die Alltagsspraxis. Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. (Hg.): https://raa-berlin.de/wp-content/uploads/2019/01/RAA-BERLIN-DO-RASSISMUS-EINE-DEFINITION-F%C3%9CR-DIE-ALLTAGSPRAXIS.pdf (30.11.2023)

 

Jule Bönkost (2023): Kritisch weiß sein. Eine Anleitung zum Mitmachen. Münster: Unrast.

 

Leah Czollek, Gudrun Perko, Corinne Kaszner, Max Czollek (2019): Praxishandbuch Social Justice und Diversity. Theorien, Training, Methoden, Übungen. Weinheim, 2.Auflage: Beltz.

 

Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) (2022): Rassistische Realitäten: Wie setzt sich Deutschland mit Rassismus auseinander? Auftaktstudie zum Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa), Berlin. Online verfügbar unter: https://www.rassismusmonitor.de/publikationen/studie-rassistische-realitaeten/ (11.03.2024)

 

Anne Goldenbogen, Malte Holler: Eine kurze Einführung in ein komplexes Phänomen. Was ist Antisemitismus? In: Anders Denken. Die Onlineplattform für Antisemitismuskritik und Bildungsarbeit (KIgA e.V.):https://www.anders-denken.info/informieren/informieren/dossier-hintergrundwissen-antisemitismus (18.03.2024)Stuart Hall (2000): Rassismus als ideologischer Diskurs, in: Räthzel, Nora (ed., 2000), Theorien über Rassismus, Hamburg: Argument Verlag

 

Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) (Hg.): Rassismus gegen Weiße – gibt es das? Unkritisches Weißsein – Die Entwertung der Rassismuserfahrungen von Personen ost- und südosteuropäischer Herkunft: https://www.ida-nrw.de/fileadmin/user_upload/UEberblick_Nr._3__Dezember_2022.pdf (21.03.2024)

 

Birgit Jagusch/Yasmine Chehata (Hg.): Empowerment und Powersharing. Ankerpunkte – Positionierungen – Arenen. Weinheim & Basel: Beltz.

 

Katja Kinder/Peggy Piesche (2020): Wahrnehmung – Haltung – Handlung. Diskriminierungskritische Bildungsarbeit: Eine prozessorientierte Intervention. Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. (Hg): https://raa-berlin.de/wp-content/uploads/2021/02/RAA-BERLIN-DO-WAHRNEHMUNG.pdf (30.11.2023)

Jonas Köhler, Kimoko Suda (2023): Erste Ergebnisse der Studie „Antiasiatischer Rassismus in Zeiten der Corona-Pandemie“, Dezim Institut (Hg.): https://www.dezim-institut.de/en/publications/erste-ergebnisse-der-studie-antiasiatischer-rassismus-in-zeiten-der-corona-pandemie/ (05.03.2024)

 

Katharina Oguntoye, May Optiz, Dagmar Schultz (Hg.) (2006): Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Berlin: Orlanda Frauenverlag

 

https://i-paed-berlin.de/wp-content/uploads/Respect-Guide.pdf  (06.12.2023)

 

Isidora Randjelović (2019): Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze. In: Fachinformation des Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA), Düsseldorf: https://www.vielfalt-mediathek.de/wp-content/uploads/2020/12/expertise_randjelovic_rassismus_gegen_rom_nja_vielfalt_mediathek_1.pdf (07.01.2024)

 

akiko rive und Cuso Ehrich (2023): Anti-Asiatischer Einführung für die Bildungsarbeit. korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. (Hg.): https://www.korientation.de/projekte/radar/broschuere-anti-asiatischer-rassismus/ (01.12.2023)

 

Noah Sow (2008): Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus. München: Bertelsmann.

 

Kimiko Suda, Sabrina J. Mayer, Christoph Giang Nguyen(2020): Antiasiatischer Rassismus in Deutschland. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Aus Politik     und Zeitgeschichte – (Anti-)Rassismus 70. Jg, 42-44/2020,                 S. 39–44. Online unter: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/antirassismus-2020/316771/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland/ (05.03.2024)

 

Peter Ullrich, Sina Arnold, Anna Danilina, Klaus Holz, Uffa Jensen, Ingolf Seidel, Jan Weyand (Hg.) (2024): Was ist Antisemitismus? Begriffe und Definitionen von Judenfeindschaft. Berlin: Wallstein